Noch 7 Stunden bis zum Auftritt. Schneechaos-Wochenende. Und ich muss ausgerechnet jetzt mit dem Zug nach Hannover. Dorthin, wo sich eigentlich keine Bahn mehr bewegt. Ich glaube fest daran, dass mich ein Zug dorthin bringt. Bis mich eine Durchsage am Bahnsteig in die Realität zurückholt… Der Zug fällt aus – es war die einzige Verbindung des Tages… Schneechaos-Wochenende halt.
Am Bahnsteig wartet noch jemand. Noch so ein Glücksritter. Kurzes Gespräch. Noch jemand, der nach Hannover will. „Ich fahr‘ jetzt doch mit dem Auto. Willst du mit?“ – „Ja!“, antworte ich. Felix ist mein Glücksbringer und ich kann mein Glück kaum fassen… Wir laufen zum Auto und auf geht die Fahrt, die doch so anders geplant war. Bei bestem Wetter, die Sonne strahlt uns an, fahren wir durch die Landschaft. In Hannover fahren wir durch die verschneiten Straßen. Manche Menschen haben Langlaufskier geschultert, Schlitten und Berge von Schnee überall. Nicht eine Straßenbahn fährt und so komme ich in den Luxus direkt bis zu meinem Ziel gefahren zu werden. Am Straßenrand hole ich Rucksack und Tasche aus dem Kofferraum und die Wege trennen sich wieder. Danke Felix!!
Ich stiefele auf die andere Straßenseite und kann es gar nicht abwarten meinen Clown-Freunden von dem Erlebten zu erzählen. Mit einem Strahlen betrete ich das Cafe – unser Treffpunkt und sehe an einem Tisch schon (fast) alle sitzen. Zeit zum Geschichten erzählen.
Im Cafe verteilt sind alle Requisiten für unseren Auftritt. Hier stehen Geschenkkartons, dort ein Besen, da Taschen und Rucksäcke und über allem thront ein riesiger Pfeil. Signalrot. Was wohl die Gäste gedacht haben als die vollgepackte Karawane aufgebrochen ist… Angeführt vom roten Pfeil, der uns die Richtung weisen sollte, stapften vier vollgepackte Gestalten voller Freude durch den Schnee. Nur unser Pfeil wusste gar nicht so genau, wo es hin geht! Ein klassisches Dilemma. Auch wenn wir nicht in unseren Clownrollen waren, irgendwie waren wir es doch und unsere Energie färbte auf alle Menschen ab, denen wir begegneten.
Unser erster gemeinsamer Auftritt auf einer Bühne stand kurz bevor. Alle aufgedreht und voller Energie. Wir hatten einen Plan, aber so ganz genau haben wir uns dann doch nicht daran gehalten. Wir spielen und improvisieren und genießen die Zeit auf der Bühne – genießen die Blicke, den Applaus. Wir haben einen Moment voll Freude verschenkt.
Neuer Tag, neuer Auftritt. Diesmal sind Jule und Oskar alleine unterwegs. Immernoch Schnee. Viel Schnee. Verdammt viel Schnee, der sich beim Laufen schnell den Weg in die Schuhe bahnt. Wie früher: die Socken sind nass, aber das hält uns nicht davon ab, im und mit dem Schnee zu spielen. Wir freuen uns wie kleine Kinder über Eiskristalle an den Zweigen und sind verzaubert von der Winterlandschaft um uns herum. Wow!!


Zum Glück haben sich Jule und Oskar zwischendurch aufwärmen können. Sie haben dabei alte und neue Freunde getroffen und ihnen Gesellschaft geleistet. Gespielt, herumgealbert, gezaubert, Kaffee getrunken, Papier-Boote gefaltet, sich im Kreis gedreht. Letzte Aktion: Oskar lässt sich draußen vor dem Fenster rückwärts in den Schnee fallen und wedelt mit Armen und Beinen. Jule schüttelt kurz den Kopf. Oskar steht auf, es bleibt ein riesiger Engel im Schnee…
Es geht wieder zurück, zurück in die „normale“ Welt. Ich hätte gerne noch mehr Schneeengel gemacht…

