Angst vor Clowns

Ja, als Anika kenne dieses Gefühl. Als Kindergartenkind verbrachte ich eine ganze Faschingsfeier beim Sportverein komplett mit verschlossenen Augen auf einer Turnbank.

Jetzt begegnen ich dieser Angst wieder – allerdings als Clown. Ich erlebe Menschen, die beim Einlass einer Show fragen „Wo muss ich mich hinsetzen, damit ich nicht auf die Bühne geholt werde?“. Befreundete Menschen berichten vereinzelt, dass liebe Freundinnen und Freunde gar nicht erst zu einer Show kommen würden, weil die Angst ungewollt einbezogen zu werden, viel zu groß ist.

Auch im Walkact ist schnell spürbar, wann ich nicht näher kommen sollte und unbedingt Distanz eingehalten werden muss. Die Antennen der Empathie müssen immer auf Empfang geschaltet sein, damit keine verletzenden Grenzüberschreitungen stattfinden.

Timm und ich tauschen uns aus – das Thema beschäftigt uns beide. Wir fragen uns, was es braucht, damit Menschen unsere Show genießen können, und nicht die ganze Zeit Angst haben müssen, auf die Bühne geholt zu werden. Grundsätzlich haben wir bisher nicht daran gedacht, jemanden überraschend auf die Bühne zu holen. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir selbst nicht gerne ungefragt in eine Show mit einbezogen werden wollen – was uns inzwischen vielleicht sogar leichter fallen würde, weil wir eben auch Clowns sind. Es macht uns schon sehr nachdenklich, dass Menschen einen Abend nicht so recht genießen können, weil da diese Befürchtungen und Ängste sind.

Noch viel spannender wird die Fragestellung, wenn wir an unsere Auftritte als Walkact denken. Es ist naheliegend, dass Menschen auf Straßenfesten oder kulturellen Veranstaltungen auf Clowns treffen könnten. Manche möchten dies ja auch unbedingt und lieben es sogar auf die Bühne geholt zu werden. Wenn wir uns als Jule und Oskar nun aber an Orten bewegen, wo erst einmal keine Clowns üblich sind oder erwartet werden, dann wird es spannend. Was müssen wir beachten, damit wir die persönlichen Wünsche und Interessen unserer Mitmenschen achten und respektieren – jene die sich freuen einen Clown zu treffen und jene, die keine Clowns treffen möchten.

Eine spannende Fragestellung, die wir jetzt in unseren weiteren Entwicklungsprozess mitnehmen. Wir sind dankbar, dass Menschen sich trauen, diese Gedanken uns gegenüber auszusprechen! Wir möchten Clowns sein, vor denen kein Mensch Angst haben muss – Clowns, die individuelle Grenzen achten, behutsam in Begegnung gehen und darum wissen, dass sie durch ihr bloßes Aussehen bestimmte Gefühle im Menschen auslösen können!

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