Unsere Clownreise hat uns in den letzten Wochen auch auf eine Probenbühne geführt. Dort konnten wir uns, auf noch ungewohnte Weise, weitere Spielräume erschließen. Das Foto dokumentiert unser Ausprobieren und unsere Suche nach konkreten Spielansätzen für die Bühne – wir sind selbst noch ganz überrascht, was sich an diesem Tag gezeigt hat!
Als Kontaktclowns fühlen wir uns als Spielende sehr wohl und sicher – Jule und Oskar sind in ihren Begegnungen mit Menschen mit ihrem poetischen Auftreten genau richtig. Doch sind ihr Erscheinungsbild und ihre Eigenheiten auch passend für die Darstellung einer Geschichte auf der Bühne?
Mit professioneller Unterstützung haben wir uns in einen Tag mit Coaching begeben. Wir wollten mehr über die Erfordernisse erfahren, die sich für einen Clown auf der Bühne ergeben. Außerdem wollten wir wissen, was wir beim Erdenken von Bühnenszenen beachten sollten.
Im Coaching verschwanden als erstes unsere Kopfbedeckungen, damit die Gesichter besser sichtbar und jede Emotion auch in der hintersten Reihe gesehen werden konnte. Die fehlenden Hüte fühlten sich anfangs schon ein wenig komisch an im Spiel.
Durch das Auftragen von Schminke wurde unsere Mimik noch einmal verstärkt. Beim Blick in den Spiegel waren wir überrascht und beeindruckt – wir hatten richtig Freude daran, einen neuen Look bekommen zu haben, den wir uns ohne Unterstützung von außen sicher nicht selbst zugetraut hätten. Wir spürten eine deutliche Erleichterung, als unsere bisher erdachten und lieb gewonnenen Kostüme nur wenig Kritik bekamen – an der ein oder anderen Stelle mehr farbliche Klarheit und noch das ein oder andere Detail würden gebraucht – auch in Abhängigkeit von dem Hintergrund, vor dem wir dann ein mögliches Bühnenstück spielten.
Als Spielende probierten wir uns im Coaching vielfältig aus und gaben uns dem Prozess hin – bereits vorhandene Charakterzüge von Jule und Oskar wurden im Spiel weiter herausgearbeitet und durch neue Eigenschaften erweitert. Wir sagten „Ja“, waren im Augenblick, liebten das Tempo und die Details. Wir erfuhren, welche Bedeutung ein kleiner Fingerzeig, ein kurzer Seitenblick oder ein Atemzug an der richtigen Stelle haben kann.
In einem intensiven Prozess lernten wir so viel Neues – klassisches Handwerkszeug für einen Bühnenclown und zugleich Facetten unserer eigenen Persönlichkeit im Zusammenspiel als Duo. Am Ende gingen wir zufrieden und voller Eindrücke und Möglichkeiten nach Hause – gepaart mit einer ordentlichen Portion Müdigkeit!
Wir wissen nun, wie wertvoll es ist, nicht nur für sich alleine zu proben, sondern auch außenstehende Menschen mit ihren Ideen und ihrem Blick auf unser Spiel in einen Probenprozess mit einzubeziehen. Es erweitert den Horizont – die Selbstwahrnehmung bekommt die Perspektive der Fremdwahrnehmung hinzu.
Auch wenn wir offene Fragestellungen aus dem Coaching mitnehmen: „Ist das denn dann noch Oskar, wenn er keinen Zylinder mehr trägt und ganz andere Charakterzüge erhält?“, „Kann ich als Spielerin eine so kraftvolle Jule spielen?“…eines wissen wir jetzt ganz sicher: Davon wollen wir mehr! Wir möchten auch auf der Bühne spielen und Bühnenclowns sein!

