Nun ist es schon ein paar Wochen her, seitdem Jule mit mir zur nächsten Ausbildungswoche – der Figurenwerkstatt I – ins TuT reiste. Es dauerte ein bisschen, bis Jule sich am vorletzten Tag der Woche auf die Probebühne trauten bzw. ich das Gefühl hatte, sie auch auspacken zu wollen.
In den ersten drei Tagen spielte ich die Übungen in der Figurenwerkstatt ohne eine festgelegte Rolle – einfach nur mit meiner roten Nasen. So sammelte ich weiter fleißig Erfahrungen und Material für meinen Handwerkskoffer als Clown. Es fühlte sich anfangs noch nicht stimmig an, als Jule in die Übungen zu gehen.
Dies änderte sich aber, als es konkret um die Szenenentwicklung für die nächste Werkschau ging. In verschiedenen Werkschauen präsentieren wir innerhalb unserer Ausbildung als Klasse in regelmäßigen Abständen Ergebnisse, Skizzen, Ideen und Szenen aus unserer Ausbildungszeit. Dafür also wollte Jule nun aus dem Koffer geholt werden. Sie rief förmlich nach mir und bestand darauf, die vorgegebene Szene doch bitte spielen zu dürfen. Überraschenderweise hatte ich es als Anika plötzlich mit inneren Hürden zu tun – das „Jule-Sein“ fühlte sich in der Clownsschule nicht so authentisch und wahrhaftig an, wie bei meinen Auftritten außerhalb der Ausbildung. Jule war so leise auf der Bühne, während sie sonst bei Clownbesuchen und Auftritten staunend durch die Gegend streift und gerne ein Pläuschchen hält. Das so anzunehmen war gar nicht so einfach.
Wie war ich glücklich, als bei nachfolgenden öffentlichen Auftritten meine Jule in ihrer gewohnten Art und Weise wieder da war. Ich bin mir noch immer selbst auf der Spur und frage mich, warum die Jule im TuT so eingeschüchtert war? Ich bin gespannt, welche Antwort ich finden werde.

