Werkschau mit Oskar

Wenn man ein Clown sein möchte, dann kommt man nicht darum herum vor und mit Publikum zu spielen. Wir besuchen Kurse, werden ausgebildet, machen uns Gedanken – aber das alles findet in einem geschützten und von der Außenwelt (meist) abgeriegelten Raum statt. Publikum ist dort nicht zu finden, zumindest keines von außerhalb der Kurse. Aber ohne Publikum, kein Clown. Wir brauchen die Interaktion mit Menschen – Clowns ganz besonders.

Irgendwann kommt also der Zeitpunkt, an dem wir unseren Versuchs-Raum öffnen. Eine abendliche Aufführung. Es ist für uns die Möglichkeit in einem mit anderen Clowns gestalteten Abend Erlerntes auszuprobieren, zu zeigen woran wir arbeiten und was uns im Moment umtreibt. Wir spielen mit manchmal unausgereiften Ideen und Konzepten. Das alles teilen wir mit einem Publikum. Auch die unerwarteten Wendungen und Zufälle auf der Bühne. Eine andere Art von Versuchs-Raum.

Die Bühne, die wir bekommen, lässt uns fühlen, weshalb wir die Kurse und die Ausbildung machen. Für uns ist es eine kleine Tafel Schokolade, die uns den Mut und die Kraft gibt weiter zu machen, mehr zu arbeiten, dem Entwicklungsprozess zu vertrauen.

Mir tat es gut, Oskar in die Ausbildungsräume hineinzutragen. Zögerlich war ich. Es war ungewohnt, es war so als würde ich Oskar meine Welt zeigen. Wie ein Kind, das einem die Spielzeuge zeigt. Behutsam nahm ich Oskar mit – er wurde in den Räumen geboren, aber war schon sehr schnell zu seiner Wanderschaft in die weite Welt aufgebrochen. Jetzt war Oskar bei der Werkschau dabei. Endlich!

Die Aufführung vergeht so schnell, mit einem Wimpernschlag ist er vorbei. Der Applaus begleitet einen jedoch noch lange weiter. Nach dem Auftritt ist man voller Energie, voller Freude. Ein paar Tage später meldet sich in einem der innere Kritiker – ich habe meinen Auftritt auf Video gesehen. Analyst, Regisseur und Dramaturg übernehmen das Steuer und es wird an der Szene gefeilt. Eine ganz andere Welt. Was kann bleiben, was muss weg, was sollte sich verändern? Der nächste Auftritt ist nicht fern…

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