Die letzten Monate und Wochen fahre ich bereits ausgiebig Gefühlsachterbahn und verbringe so manche Runde im Gedankenkarussell – ich bin gerade auf einem ganz besonderen Jahrmarkt unterwegs – einem Jahrmarkt, der Leben genannt wird.
„Wenn ich groß bin, werd´ ich Clown!“ so schrieb ich es am 14. Mai 1991 in mein Aufsatzheft in der Grundschule – ich war 10 Jahre alt. Nun ist der Tag gekommen, an dem ich mir erlaube, mir diesen Traum zu erfüllen – mit ausreichend Raum und Zeit.
Den Mut, diesen Traum wahr werden zu lassen, verdanke ich zwei wunderbaren Menschen, die mich in ihrem Sterben gelehrt haben, was am Ende eines Lebens wirklich zählt.
Niemals hätte ich ahnen können, als ich vor gut zwei Jahren das Auswahlseminar für die Clownausbildung absolvierte, wie sehr sich mein Leben durch die Ausbildung zur Darstellerin für Clowntheater und Komik verändern würde.
Nach beinahe 20 Jahren verabschiede ich mich nun tatsächlich von meinem bisherigen Beruf – als Lehrerin für das Lehramt Sonderpädagogik sage ich der Schule „Tschüss“, lege meinen Beamtenstatus ab und kehre dem Schuldienst den Rücken zu. Ein großer Schritt und ein mutiger dazu – so höre ich es immer wieder. Für mich ist es eine notwendige Weichenstellung für mein weiteres Leben. Ich erlaube mir, meinem Herzen zu folgen. Ich bin unendlich dankbar, dass mein Leben und die Menschen, die mich umgeben, einen sicheren Raum schaffen, in dem dies so möglich ist.
Noch immer staune ich über das Geschenk des Universums, wie ich in der Zirkusschule CircO ab August einen neuen Arbeitsplatz finden konnte. Ich freue mich so sehr, das Organisations- und Leitungsteam des Vereins im Bereich der Koordination, Kommunikation und Inklusion zukünftig unterstützen zu dürfen. Es wird ausreichend Zeit und Raum bleiben, mein Clownsein nebenberuflich im Rahmen einer Freiberuflichkeit professionell aufzustellen. Zirkus und Clown – wie wundervoll beides zusammenpasst. Auch meine pädagogische Expertise und Freude an Entwicklungsprozessen kann ich einbringen. Eine tolle Perspektive!
Zwischen Loslassen und Abschied, Vorfreude und Zukunftsideen schwirren so viele Gedanken und Emotionen aller Art durch den Raum – alles ist komplex und äußerst abwechslungsreich. Ich versuche mein Erleben im aktuellen Sein einzufangen. In Form von kurzen Notizen bringe ich es fragmentiert zu Papier – voller Neugier und Freude sehe ich aus meinen vielfältigen Eindrücken eine bunte Collage entstehen…
Die nächsten zweieinhalb Wochen werden nun noch einmal besonders aufregend: Abschied geben und Abschied nehmen in der Schule, einen guten Abschluss finden, für einen bedeutsamen Lebensabschnitt in meinem Leben – ausgiebige Extrarunden in der Emotionsachterbahn sind garantiert!

